zur Startseite
» Institut für Baubetriebslehre » Institut » Exkursionen » Projektstudienexkursionen » Dresden/Berlin 2010 

SRH Waldklinikum Gera (Drees & Sommer)

Von Heiko Bosler, Michael Jaumann, Sebastian Scharpf, Daniel Wolf

Die im Osten Thüringens gelegene Stadt Gera ist mit ca. 100.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Bundeslandes und die kleinste Großstadt Deutschlands. Inmitten des Stadtwaldes liegt das Wald-Klinikum Gera, welches derzeit umfangreich saniert und ausgebaut wird. Bis 2012 soll beim größten Klinikbauprojekt der neuen Länder ein moderner Krankenhauskomplex entstehen, welcher
der Friedrich-Schiller-Universität Jena als Lehrkrankenhaus dient und von der privaten Hochschule Gera genutzt wird. Das Klinikum ist mit über 1.800 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Region. Derzeit werden pro Jahr in etwa 33.000 Patienten stationär und etwa 44.000 Patienten ambulant behandelt.

Ziel der Baumaßnahme ist es, die beiden bisher voneinander getrennten Kliniken an einem Standort zu vereinen.

Im Jahr 2003 erwarb der Heidelbergerm Bildungs- und Gesundheitskonzern SRH das Klinikum von der Stadt Gera. Kurz darauf wurde Drees & Sommer mit der Projektsteuerung beauftragt, die zusammen mit der SRH das Raum- und Funktionsprogramm der Baumaßnahme grundsätzlich überarbeitete und optimierte. Durch diese Maßnahme und der Durchführung eines beschränkten Architektenwettbewerbs konnte beispielsweise die ursprünglich geplante Brutto-Grundfläche stark reduziert werden. Dadurch ließen sich die geplanten Kosten erheblich verringern, so dass insgesamt 27 Millionen Euro eingespart werden konnten.

Architektonisch ansprechen soll das neue Waldklinikum durch ein unkonventionelles Planungskonzept mit zwei elliptisch geformten Gebäudeflügeln, die das bereits bestehende chirurgische Zentrum umschließen. Dabei verhindert die Nord-Süd Orientierung der Flügel eine direkte Sonneneinstrahlung in die Patientenzimmer, um übermäßige  Temperaturschwankungen zu vermeiden. Die Aufenthaltsräume an den Süd-Spitzen sollen dagegen lichtdurchflutet und ansprechend angelegt sein. Zudem befinden sich auf dieser Seite Aussichtsplattformen und Balkone, um den Patienten und auch den Besuchern eine besondere Aussicht und Atmosphäre bieten zu können.

Zukünftig bietet das Waldklinikum Gera Platz für ca. 1.000 Betten. Die Nutzfläche pro Bett beträgt 43 m², bezogen auf die Gesamtnutzfläche.

Das Klinikum Gera versteht sich als Kulturkrankenhaus, was sich an zahlreichen Stellen des architektonischen Konzepts aufzeigt. Leitidee ist eine „Zeitreise“ durch die deutsche Kunst- und Kulturgeschichte des 8. bis 20. Jahrhunderts. So sind beispielsweise unterschiedliche Stockwerke oder Gebäudeabschnitte nach einflussreichen und bedeutenden Persönlichkeiten benannt. Auf Informationstafeln finden sich jeweils nähere Informationen, Bilder und Kurzbiografien. Abgerundet werden diese Bereiche durch Plastiken und Gemälde zeitgenössischer Künstler. Auch die Namensgebung der unterschiedlichen Patientenzimmer trägt dieses Thema weiter und verleiht diesen, durch individuelle Piktogramme, einen eigenen Charakter.

Die Grundsteinlegung erfolgte im Jahr 2007. Ende 2009 konnte bereits der erste Bauabschnitt fertiggestellt und eingeweiht werden.

Die Schwierigkeiten bei diesem komplexen Bauvorhaben liegen vor allem darin, den Rückbau
des Bestandes und den Bau der neuen Gebäude unter voll laufendem Krankenhausbetrieb
durchzuführen. Der sich in unmittelbarer Nähe befindende OP-Komplex, konnte seine Arbeit, trotz der ständigen Bauarbeiten, fast vollständig fortsetzen.

Um den termingerechten und reibungslosen Umzug der unterschiedlichen Stationen durchführen
zu können, steht die Bauleitung ständig im Dialog mit den behandelnden Ärzten, so dass beispielsweise eine Anpassung des OP-Terminplans den Bauablauf vereinfachen konnte.

Durch den interessanten Vortrag von Frau Werner und die Baustellenführung durch Herrn
Koppetz bekamen wir einen sehr informativen Einblick in die Komplexität des Bauvorhabens
sowie in die durch den gleichzeitigen Bauprozess und den fortlaufenden Betrieb des,Klinikums entstehenden Spannungsfelder, welchen sich die Projektsteuerung erfolgreich stellen muss.

Neben den organisatorischen Finessen des Projekts wurden wir aber auch in die
technischen Besonderheiten eingeführt, zum Beispiel sei hier die teilweise Ausführung der Decken mittels Hohlraumfertigteilen genannt. Dies war speziell für die Nachunternehmer im Bereich Haustechnik relevant, da bei einem solchen Verfahren Deckendurchbrüche und kleinere Bohrungen nur an ganz bestimmten Stellen möglich sind um die Statik zu wahren. Außerdem hatte dieses Verfahren einen positiven Effekt auf den Termin- und Kostenrahmen des Projekts.

Die Besichtigung des Waldklinikums war somit ein sehr interessanter und gelungener Auftakt unserer Projektstudienexkursion, für den wir uns bei allen an der Durchführung Beteiligten sehr herzlich bedanken.