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Landtag Brandenburg, Potsdam

Von Annika Herrmann, Marietta Rosner, Dennis Vollmer

Am 20.05.2005 wurde vom Landtag des Landes Brandenburg beschlossen, das neue Landtagsgebäude in der Innenstadt Potsdams errichten zu lassen. Zur Vergabe der Leistungen wurde ein europaweites Vergabeverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb durchgeführt.

Bereits im Jahr 2002 machte eine Spende in Höhe von 3,5 Mio. € die Wiedererrichtung des Fortunaportals möglich. Die Wiederherstellung der historischen Fassade soll nun durch eine weitere Spende in Höhe von 20 Millionen Euro ermöglicht werden. Unter der Auflage, die historische Fassade wiederherzustellen, mussten die Vergabeunterlagen überarbeitet und die Aufgabenstellung präzisiert werden. Die Verhandlungen zogen sich dadurch bis August 2009 hin, im September 2009 wurde der Bietergemeinschaft BAM PPP Investments Deutschland, BAM Deutschland AG und BAM Immobilien-Dienstleistungen GmbH schließlich der Zuschlag erteilt. Die übernommenen Leistun­gen umfassen die Planung, den Bau, die Finanzierung und das Betreiben des Gebäudes über einen Zeitraum von 30 Jahren.

Das Baugrundstück befindet sich im Eigentum des Landes Brandenburg und liegt im ehemaligen Stadtzentrum, in der historischen Mitte Potsdams, in unmittelbarer Nähe des alten Marktes, der Nikolaikirche und des alten Rathauses. Um dieses Gebiet als neues Baugrundstück nutzen zu können, war eine Straßen­verlegung notwendig. Früher befand sich hier das alte Stadtschloss, dessen Ruine 1959 durch das DDR-Regime abgebrochen wurde. Teile der Ruinen wurden damals von Bürgern gesichert und werden heute wieder eingebaut.

Das Projekt besteht aus zwei Kopfbauten, die über zwei Seitenteile mit dem Südflügel verbunden sind. Insgesamt sind im Gebäude ca. 390 Büroarbeitsplätze vorgesehen, die unter anderem von Abgeordneten oder der Landtags­verwaltung genutzt werden. Um die große Anzahl an Büros realisieren zu können wurde auf den beiden Längsseiten ein Vorsprung geplant, der das Gebäude zum Innenhof hin verbreitert. Der Innenhof bleibt dabei trotzdem erhalten. Der Plenarsaal im Südflügel, mit einer Höhe von 16 m, ist mit einer Akustikdecke und mit umfangreicher Medientechnik ausgestattet. Er befindet sich im alten Gartensaal des ehemaligen Schlosses. Für eine eventuelle Fusion der beiden Länder Berlin und Brandenburg sind hier Erweiterungsmöglichkeiten vorhanden.

Der Bruttorauminhalt beträgt 150.632 m³, die Bausumme ca. 120 Mio. €. Baubeginn war im März 2010, das voraussichtliche Ende soll im Dezember 2012 sein.

Während der Baumaßnahme sollen auch historische, denkmalgeschützte Teile (Spolien) berücksichtigt werden. Probleme entstanden hier vor allem mit der Denkmalschutzbehörde, da die Spolien für den Einbau teilweise ab­­gelängt werden müssen. Von insgesamt 358 Spolien werden 269 wieder eingebaut.

Schwierigkeiten entstanden im Zusammenhang mit dem Denkmalschutz auch durch die Forderung zum Erhalt von Bodendenkmälern, wie beispielsweise Fundamente des ehe­maligen Schlosses, Metallabwasserleitungen oder ein ehemaliger Weinkeller. Um dieser Forderung gerecht zu werden, wurde eine Unterteilung in einen Primär- und einen Sekundärschutz­bereich vorgenommen. Im Primärschutzbereich werden gefundene Bodendenkmäler nicht untersucht, sondern verbleiben am Fundort und sollen so der Nachwelt erhalten bleiben. In diesem denkmalgeschützten Bereich erfolgt die Gründung auf Bohrpfählen. Im Sekundärschutzbereich werden die Funde entnommen und untersucht, hier kann später eine Unterkellerung erfolgen. Im späteren Pressekonferenz­raum wird zum Erhalt der Bodendenkmäler ein Sichtfenster auf den ehemaligen Weinkeller aus begehbarem Glas errichtet.

Das zweite große Problem ergab sich bei der Grundwasserabsenkung. Nach einem Bodengutachten ergab sich, dass das vorhandene Gestein über der Salzwasserschicht sehr porös war. Durch dieses poröse Gestein kann das Salzwasser in den Süßwasserbereich eindringen, wodurch es unter anderem zu einer Trinkwasserverunreinigung kommen kann. Es waren deshalb aufwendige Grundwasserhaltungsmaßnahmen notwendig (Düseninfiltrationsverfahren). Dabei wird das Wasser abgesaugt und dann teilweise wieder nach unten gedrückt. Die Dauer der Untersuchung und Errichtung dieser Maßnahme betrug fast 6 Monate. Täglich wird eine Wassermenge von 24.000 m³ gefördert. Ca. 40 % dieses Wassers wird als Überschusswasser direkt in die Havel geleitet, die restlichen 60 % werden wieder in den Boden infiltriert.

Diese zwei Hauptprobleme führten zu einer Bauzeitverlängerung, so dass die Fertigstellung statt wie geplant 2012, erst 2013 erfolgen kann.