zur Startseite
» Institut für Baubetriebslehre » Institut » Exkursionen » Projektstudienexkursionen » Dresden/Berlin 2010 

Züblin-Baustelle KL32

Von Ricarda von der Heyde, Christoph Renovanz, Tatsania Belaus, Anastasia Hilnicenko,
Dieter Schell

Nach einer angenehmen Fahrt aus Dresden sind wir rechtzeitig in der Bundeshauptstadt Berlin angekommen. Unser nächstes Exkursionsziel führte uns ins Herz dieser schönen Stadt, zum Alexanderplatz. Ausgerüstet mit Helm, Sicherheitsschuhen und einem Headset gingen wir zur Baustelle, an der wir herzlich von Herrn Dipl.-Ing. B. Meinhard von der Züblin AG, dem Bauleiter dieser
Baustelle, empfangen wurden. Herr Meinhard verschaffte uns zuerst einen kurzen Überblick über das Bauprojekt und im Anschluss begleitete er uns über die Baustelle. Unser Objekt, ein Neubau vom Hotel- und Bürokomplex, liegt in der Karl-Liebknecht-Str. 32. Das Gebäude hat eine zentrale Lage und
gute Verkehrsverbindung, was für ein Hotel und Bürokomplex von großer Bedeutung ist.

Der komplette Straßenbereich um das Objekt wurde zeitgleich mit der Baumaßnahme ebenfalls erneuert, was eine zusätzliche Herausforderung für die Baukoordination und Logistik auf der Baustelle darstellte. Der neungeschossige Neubau wird insgesamt über eine Mietfläche von 27.500 m² verfügen. Der Komplex wird ein „RAMADA-Hotel” mit 337 Zimmern der Kategorie Vier-Sterne und
ein „H2-Hotel” mit 288 Zimmern im Budget- Bereich beherbergen. Ebenfalls Bestandteil der Hotelplanung ist ein Veranstaltungs- und Konferenzbereich. Ein Highlight des Gebäudes wird ein Ball- und Veranstaltungssaal mit 900 m² und einer Deckenhöhe von rd. 5 m darstellen. Neben den beiden Hotels sind in dem Neubau rd. 7.500 m² für Bürofläche vorgesehen. Diese Besonderheit macht die Fertigstellung zusätzlich anspruchsvoll.

Das Projekt wurde in mehreren Losen vergeben. Den Zuschlag für folgende drei Lose,
die als Pauschalverträge ausgeführt wurden, hat Züblin bekommen:

1. Die Baugrube
1,0 Mio. € - Bauzeit 8 Wochen

2. Den erweiterten Rohbau
9,95 Mio. € - 9 Monate Rohbauzeit und 4
Monate Estrich- und Putzarbeiten

3. Das Ausbaulos
7,53 Mio. € - Bauzeit 12 Monate

Die gesamte Auftragssumme liegt bei ca. 18,5 Mio. Euro. Eine zusätzliche Position im Vertrag war die Koordination bauseitiger Ausbaugewerke. Das erste Los umfasste Erdarbeiten, Verbau- und Ankerarbeiten und Wasserhaltungsmaßnahmen. Für den erweiterten Rohbau wurden Rohbau-, Innenputz-, Estrichund Wärmedämmverbundsystem-Arbeiten geplant, die ohne zeitliche Verzögerungen ausgeführt wurden. Die Erdarbeiten dagegen wurden durch die vielen Findlinge im Boden und einer großen Kontamination verzögert.

Weitere Zahlen:

Erdarbeiten
• Grundstück: 5.000 m²
• Tiefe: bis 5,00 m
• Erdmasse: 25.000 m³

Hindernisse im Boden
• Beton: 1.000 m³
• Stahlbeton: 1.000 m³
• Mauerwerk: 1.000 m³
• Kontamination: > Z2: 7.500 m³

Verbauarbeiten
• Berliner Verbau
• Trägerabstand 2,00m
• Träger: 75 HEA 200 bis 8m Länge
• Auskragung: 4-5 m

Wasserhaltungsarbeiten
• Grundwasserstand: 4,90 m
• Wasserhaltung nur kurzfristig für die Tiefe notwendig.
• Trotzdem wurden 70.000 m³ Wasser in 18 Tagen gefördert.

BRI: 151.000 m³
BGF: 40.850 m²
Grundstück: 5.000 m²
Ortbeton: 16.200 m³
FT-Beton: 2.900 m³
Bewehrung (Ortbeton): 2.150 t
Bewehrung (FT): 600 t

Zum Zeitpunkt unserer Exkursion waren die Rohbauarbeiten fast fertig und der Innenausbau in den unteren Geschossen war ebenfalls bereits abgeschlossen. Alles in allem lag Züblin gut in der Zeit.

Bei der Baustelleneinrichtung wurden die Straßenkonzepte noch mitberücksichtigt, um die geplanten Ein- und Ausfahrtwege anzupassen. Insgesamt wurden auf der Baustelle vier Krane und zwei Pumpen benutzt. Der Rohbau wurde in Abschnitten durchgeführt. Wie uns Herr Meinhard mitteilte, wurde das Konzept der Rohbauarbeiten des Bauherrn nochmals durch Züblin überarbeitet und optimiert. Um die Arbeitszeit und Kosten einzuhalten, wurden ab dem 1. OG anstatt Ortbeton Fertigteile eingesetzt.
Zur weiteren zeitlichen- und kostenmäßigen Optimierung des Bauprojekts wurden die Schottwände (Trennwände), Elementdecken, Kernwände und Rahmenelemente in der Fassade verwendet. Die Schottwände wurden zuerst als Vollfertigteile angedacht, wurden jedoch wegen der begrenzten Krankapazitäten und der hohen Ausführungskosten abgelehnt, als Alternative wurden die Elementwände gewählt. Ebenfalls wurde entschieden, die Nasszellen als fertige Einheiten zu liefern und einzubauen. Das Problem, wie die geplanten Elementdecken unterstützt werden können, wurde durch über Badzellen und Flur zusätzlich eingebaute tragende Elemente gelöst. Ein weiterer von Herrn Meinhard angesprochener wichtiger Punkt war der Bauablauf. Die exakte Koordination der Gewerke auf der Baustelle war sehr bedeutend, weil Züblin auf die Leistungen der Nachunternehmer und auf die Einhaltung deren Zwischentermine angewiesen war. Weiterhin wurde betont, dass es sehr wichtig war, die Arbeiten wie z. B. Rohbau inkl. Dachfertigstellung ungeachtet der Zeitverzögerungen komplett auszuführen, weil es sonst zu unvorhersehbaren Komplikationen gekommen wäre.