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Waldschlösschenbrücke Dresden (Sächsische Bau GmbH)

Von Andreas Keller, Matthias Mager, Robert Poller, Martin Woide

Wohl kaum ein Bauprojekt war in den letzten Jahren so präsent in den Medien wie die Waldschlösschenbrücke in Dresden. Aufgrund der exponierten Lage inmitten des ehemals
durch die UNESCO geschützten Weltkulturerbes „Elbtal“, sorgt die Brücke für eine kontroverse
Diskussion in der Bevölkerung. Viele Bürger hätten lieber einen Tunnel an gleicher Stelle gesehen, mit dem es möglich gewesen wäre, den Titel Weltkulturerbe zu erhalten. Dieser Tunnel wäre jedoch nach Aussagen des Projektleiters Herrn Wothe deutlich teurer in der Herstellung und der Unterhaltung gewesen. Dass ein Arbeiten ohne Unterstützung der Bevölkerung durchaus problematisch sein kann, konnten wir am eigenen Leib erfahren, als wir über die Baustelle liefen und von einigen Radfahrern als „Verbrecher“ beschimpft wurden.

Der Grund für den Bau der Waldschlösschenbrücke ist die angespannte Verkehrslage auf den Brücken der Dresdner Innenstadt. Diese können das anfallende Verkehrsaufkommen nicht mehr bewältigen.

Der Auftrag für den Bau der Brücke wurde an eine ARGE aus der Sächsischen Bau GmbH, der Niesky GmbH und der Eurovia GmbH vergeben. Der erste Spatenstich wurde bereits am 29. November 2000 getätigt. Der Baubeginn verzögerte sich jedoch bis ins Jahr 2007 aufgrund des großen Widerstandes in der Bevölkerung. Erst nach einem Bürgerentscheid im Februar 2005 wurden die Planungen wieder vorangetrieben, da sich eine Mehrheit von 68 % für das Projekt aussprach. Kurz nach Beginn kam es
jedoch erneut aufgrund eines fehlenden Planfeststellungsverfahrens zu einem Baustopp. Die Brücke selbst besteht aus drei Abschnitten. Die links- und rechtsseitigen Elbvorlandbrücken sowie dem mittleren Teil, der Bogenbrücke selbst. Insgesamt hat das Bauwerk eine Länge von 638 m, wobei
die Stützweite des Bogens 135 m beträgt. Der Bogen wird zunächst an Land komplett vormontiert und wird nach Fertigstellung mit einem Gesamtgewicht von 1.700 t eingeschwommen

Alle Stahlsegmente für die Brücke werden in Belgien vorgefertigt und dann mittels Tiefladern rund 1.000 km zur Baustelle transportiert. Für das Einschwimmen des Bogens muss zunächst die Elbe ausgebaggert werden, da die beiden Pontons, auf denen der Bogen nach der Längsverschiebung gelagert wird, einen zu großen Tiefgang haben. An den Ufern der Elbe wird die Brücke dann auf Tiefladern in Querrichtung bewegt und mit Hubtürmen um 15 m in die richtige Position angehoben.
Der komplette Vorgang dauert ca. zwei Tage. Zum Zeitpunkt unserer Exkursion war der Bogen bereits fertig montiert, konnte jedoch noch nicht eingeschwommen werden, da das nötige Planfeststellungsverfahren für das Ausbaggern der Elbe noch nicht vorlag. Deshalb wurden zunächst an den beiden Vorlandbrücken weiter gebaut. Diese bestehen aus dynamisch geschwungenen Hohlkasten V-Stützen, die nach Fertigstellung mit selbstverdichtendem Beton gefüllt werden.

Die Waldschlösschenbrücke hat eine Gesamtbreite von 29,3 m. Sie besitzt 4 Fahrspuren sowie einen Rad- und Gehweg auf jeder Seite.Der Durchlaufträger besteht zum einen aus der Fahrbahn, die aus Beton gefertigt wird und zum anderen aus einem doppelten Stahlhohlkasten. Aufgrund der geometrisch komplizierten Form wurden die Widerlager komplett geschalt und mit selbstverdichtendem Beton verfüllt, da ein Rütteln wegen des hohen Bewehrungsgrades nicht möglich war. Somit wurde eine ansprechende Sichtbetonoberfläche geschaffen. Die Widerlager sind mittels Bohrpfählen von 1,2 m Durchmesser gegründet. Insgesamt werden sich die Baukosten für
die Brücke nach aktuellem Stand auf rund 27 Mio. Euro netto belaufen. Hinzu kommen noch 25 Mio. Euro Zusatzleistungen, die ebenfalls von der ARGE ausgeführt werden. Das komplette Verkehrsprojekt beinhaltet noch Anschlusstunnel, welche jedoch von anderen Unternehmen ausgeführt werden.

Die gesamten Baukosten betragen rund 157 Mio. Euro. Wir bedanken uns hiermit noch einmal ganz
herzlich bei Herrn Wothe für die interessante und informative Baustellenführung.