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Bibratunnel bei Karsdorf

Von Julia Eßlinger, Ramona Karst, Lisa Seiler

Im Rahmen der baubetrieblichen Projektstudienexkursion  der  Universität  Stuttgart, besichtigten wir am 10.06.2010 die Baustelle des Bibratunnels. Der Bibratunnel ist ein im Bau befindlicher Eisenbahntunnel  bei  Karsdorf  und  erstreckt sich zwischen Erfurt und Halle/Leipzig.

Das  Verkehrsprojekt  wurde  von  der  DB Networks  Logistik  beauftragt  und  wird  derzeit von der Marti BauGmbH ausgeführt. Die Gesamtinvestitionskosten  belaufen  sich  auf etwa 240 Mio € und die Bauzeit soll 3 bis 3,5 Jahre betragen. Die Planfeststellung erfolgte bereits 1994.  Im Jahr 2007 wurde das Bauvorhaben  ausgeschrieben,  die  Beauftragung erfolgte im Januar 2008 und im Oktober 2008
wurde  schließlich  mit  dem  Bau  begonnen. Die Rohbauarbeiten sollen 2012 fertiggestellt werden.

Der  gesamte  Tunnel  hat  eine  Länge  von 6.466 Metern, wovon 6.340 Meter durch konventionellen Vortrieb, durch Sprengung und mit Abbruchwerkzeugen, und 126 Meter in offener Bauweise erstellt werden.  Das daraus entstehende Ausbruchmaterial  mit einem Volumen von 1,10 Mio m³ wird mit einem Förderband aus dem Tunnel und über die Voreinschnitte zu den Geländemodellierungen  transportiert. Dies ist eher ungewöhnlich, aber hat den Vorteil, dass weniger Verkehr im Tunnel herrscht.

Der Bibratunnel wird in Form eines Doppelröhrentunnels ausgeführt, wobei zwei parallele Röhren  durch  Querschläge  im  Abstand  von 500 Metern verbunden sind, um in Notfällen in den anderen Tunnel zu gelangen. Während des Baus werden sie als Logistikstollen für die Schutterung, das heißt für den Abtransport der Massen  genutzt.  Der  Abstand  zwischen  den Achsen der zwei eingleisigen Röhren beträgt etwa 20 bis 25 Meter.
Da über die gesamte Tunnelstrecke Buntsandstein  vorherrschte,  der  relativ  einfach abbaubar ist, konnte der Vortrieb drei Monate vor Termin fertiggestellt werden. Von Vorteil ist ebenfalls, dass keine Grundwasserproblematik besteht, da der Grundwasserspiegel etwa 30 bis 40 Meter unter der Sohle liegt.

Der Terminplan erfordert einen 24 Stunden Betrieb  an  7  Tagen  die  Woche  mit  maximal 300 Mann. Die Tagesleistung beträgt durchschnittlich 7,5 Meter pro Tag. Das Auffahrendes Tunnels mit einer Überdeckung von teilweise nur 15 Metern bis maximal 50 Metern erfordert  eine  schonende  Vortriebsart.  Der Tunnel wird nicht im kompletten Querschnitt ausgebrochen, sondern erfolgt in Teilausbrüchen,  zeitgleich  vom  Ostportal  in  Richtung Westen  und  vom  Westportal  in  Richtung
Osten.  Zunächst  wird  die  Kalotte  mit einer Querschnittsfläche von 55 m² ausgebrochen. Im Anschluss erfolgt der Vortrieb von Strosse und  Sohle  bis  der  gesamte  Querschnitt  von 86  m²  ausgebrochen  ist.  Die  Tunnelröhren werden als zweischalige Gewölbekonstruktion mit  einer  Außenschale  aus  Spritzbeton  und einer Innenschale aus Ortbeton gebaut. Dabeiwird nach dem Ausbruch zuerst der Beton im Nassspritzverfahren aufgebracht und gibt dem Tunnel somit eine erste zuverlässige Sicherung. Danach werden die beiden Schalen durch das Aufbringen einer Kunststofffolie voneinander konstruktiv getrennt.

Im Anschluss daran, wird  mit dem Bau der Innenschale begonnen. Mithilfe eines Schreit-, und Schalwagens  wird  das  Tunnelgewölbe bewehrt und der Ortbeton wird eingebracht. Die Erstellung der Fahrbahn auf der Tunnelsohle wird vom Nachfolgegewerk erstellt. Der Vortrieb der Röhren ist bereits beendet. Die  Schalen  des  Tunnels  sind  noch  im  Bau, sowie  die  restlichen  Querschläge  und  die Tunnelportale. 2012 sollen die Rohbauarbeiten abgeschlossen  werden  und  nach  heutigem
Stand der Arbeiten ist davon auszugehen, dass aufgrund des optimierten Bauablaufs (Querschläge  als  Lagerfläche)  und  der  günstigen Geologie  (hauptsächlich  Buntsandstein)  der Termin eingehalten werden kann.

Wir wurden auf der Baustelle sehr freundlich empfangen und durch eine  lehrreiche Präsentation seitens der Geschäftsleitung der Marti Bau GmbH über das Projekt Bibratunnel aufgeklärt. Nach dem Essen in der Baustellenkantine haben wir noch den Tunnel besichtigt. Die Exkursion wurde mit einer sehr interessanten wie auch lebhaften Baustellenbesichtigung abgeschlossen.