Institut für Baubetriebslehre :: Rosengärten, Berlin (Wolff & Müller)

Rosengärten Berlin (Wolff & Müller)

Von Sabrina Pröll, Matthias Zehnder

Am Mittwoch, den 08. Juni 2011 besichtigten­ wir das Bauvorhaben Rosengärten der Wolff & Müller Regionalbau GmbH & Co. KG in Berlin. Der Name der Anlage ist eine Erinnerung an die verloren gegangene Berliner Gartenarchitektur, da 38 Rosenarten neben den privaten Gärten die Gemeinschaftsflächen des parkähnlichen Gartens schmücken. Das derzeit größte Projekt von Wolff & Müller Regionalbau ZN Berlin mit einer Auftrags­summe (Rohbau) von 11,5 Millionen Euro soll 2012 mit dem erweiterten Rohbau fertig gestellt werden.

Der durchschnittliche Wohnungspreis liegt bei ca. 4.500 €/m², welcher dem Käufer ein Mitspracherecht bei der Wandaufteilung einräumt. Zusätzlich zu den Kalksandsteinen werden Porenbeton­steine für die  nichttragenden­ Wände verbaut, da diese den Vorteil einer besseren Wärme- und Schalldämmung haben. Kundenwünsche werden bei diesem Kaufpreis flexibel berücksichtigt.

Ein Hauptproblem des Bauwerk ist, dass nur 180 Tiefgaragenstellplätze angeboten werden können, allerdings ca 225 Wohnungen vorhanden sind. Für mehr Stellplätze ist nicht mehr Raum vorhanden und ein zweites Untergeschoss würde die Kosten zu stark steigern.


Der Rahmenterminplan ist vorgegeben, Hauptziel ist das Risiko durch Stillstand im Winter durch Schlechtwetter zu vermeiden, da sonst Vertragsstrafen drohen. Schnelligkeit­ und Pünktlichkeit von Kran und Personal sind daher unabdingbar. Anzumerken ist die Baustellenein­richtung mit drei Kranen und zwei Baustraßen für die Andienung. Die Baustraße läuft unterhalb des Tiefgaragenniveaus. Rampen aus Luftporenbeton führen auf die Tiefgarage.

Für den rechten Eckbereich, der über die Krane nicht erreichbar ist, wird ein Mobilkran eingesetzt. Pro Kran sind 10-15 Arbeiter je Schicht im Einsatz. Von den insgesamt vier  Polieren sind drei ständig vor Ort auf der Baustelle. Für die anspruchsvolle Logistik ist ein Polier zuständig, die anderen führen ihre Kolonnen an. Die Nachunternehmer stellen ihre eigenen Poliere. Logistik ist bei diesem Bauvorhaben sehr wichtig. Alles muss zum geplanten Zeitpunkt an der richtigen Stelle sein. Dabei kommt es auf eine genaue Koor­dination an, die erreicht wird durch durchnummer­ierte Krane und Anliefer­ungen von erforderlichem Material ”just in time”.

Um interne Behinderungen zu reduzieren, gibt es für die Fertigteile keine Zwischen­lagerung, alles wird sofort eingebaut, sogar die Dauer der Abladung wurde akribisch geplant. Falls die Dauer der Abladung die vorgegebene Zeit überschreiten würde, müsste abgebrochen werden um zu einem späteren Zeitpunkt erneut einen weiteren Versuch zu starten.

Pro Tag und Kran werden mindestens 20 Elemente - Wand oder Decke - aufgestellt bzw. versetzt. Die tägliche Arbeitszeit wurde wegen Einhaltung der Nachtruhe in Rücksicht auf die Nachbarn auf 07.00 bis 20.00 Uhr vereinbart. Ein Rechtstreit wegen Lautstärke, Licht, Druck und Überschwenkgenehmigung sollte vermieden­ werden.

Zu den Arbeiten gehören Erdarbeiten, 1-2m Bodenschicht abziehen, Flachgründung, Betonieren, Schalen, Mauerwerk, Ent­wässerung, Gerüst, Tiefgarage samt Tiefgaragenbeschichtung. Einen Monat dauerte der Aushub der Baugrube. Als Baugrubensicherung wurde partiell der Berliner Verbau gewählt, eine Varia­tion der Trägerbohlwand, bei der zwischen Baukörper und Trägerbohlwand kein Arbeitsraum existiert und die Ausfachung verloren ist.


Für die Wasserhaltung wurden die erforderlichen Lanzen von drei Seiten eingebracht und eine Drainage gelegt.

Wegen dem anstehenden Grundwasser muss die Tiefgarage inklusive Tiefgaragendecke aus WU-Beton (Wasserundurchlässigem Beton) der Druckfestigkeitsklasse C 30/37 ausgeführt werden. Dies erfordert den Einsatz eines Betongüteprüflabors. Sämtliche andere Wände sind in verschiedenster Güten, die Bodenplatte mit einem Gesamtvolumen von 1500 m³ in C 35/45, zu betonieren. Wegen dem enormen Zeitdruck werden Halbfertigteil­decken und Hohlkammerwände eingesetzt. Um den Betonier­prozess bei den Bodenplatten­abschnitten zu beschleunigen, wird der Beton von 07.00 bis 12.00 Uhr in kleinere Betonierabschnitte eingebaut, ab 12.00 bis 20.00 Uhr wird dann flügelgeglättet und nach Erhärtung anschließend kugelgestrahlt um die Oberfläche zu glätten. Dabei ist es für den Betoningenieur wichtig, stets das aktuelle Wetter im Blick zu haben, um optimale Betoniervoraussetzungen zu schaffen. Fugenbleche, die ein Nachunternehmer einbaut, sind nötig um die durch eine Arbeitsfuge getrennten Bauteile aus WU-Beton wasserdicht miteinander zu verbinden.

Auch an den Brandschutz wurde gedacht mit Türen der Sicherheitsklasse T30. Diese Leistung übernimmt jedoch ein anderes Unternehmen. Des Weiteren wurden zur bauphysikalischen Optimierung die Wände wegen Schallschutz dicker ausgeführt, die Aufzugwände doppelschalig und vollständig verkleidet mit 4 cm dicken Dämmplatten. Die Fassade wird in einem Wärmedämmverbundsystem ausgeführt.

Anzumerken sei noch, dass der Neubau als KfW 70 Effizienzhaus ausgeführt wird. Mit diesem modernen Energiekonzept wird der Primär­energiebedarf des Referenz­gebäudes nach der Energie­einsparverordnung (EnEV 2009) um 30 % und der Wert des Transmissons­wärmeverlustes um 15 % unterschritten. Somit erreicht das Gebäude einen Jahresprimärenergieverbrauch von ca. 31,55 kWh/m².






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