Vorlage
   Honorierung des SiGeKo
 

von Dr.-Ing. Wolfgang Paul, Institut für Baubetriebslehre der Universität Stuttgart
 

Einleitung

Konkrete Aussagen zu einer „gerechten" Honorierung sind zur Zeit noch nicht möglich. Die Gründe sind darin zu suchen, dass die Leistungen des Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinators (SiGeKo) noch nicht ausreichend genau definiert sind und der Bauherr verständlicherweise versucht, die Baustellenverordnung mit den für ihn geringst möglichen Kosten umzusetzen. In der Praxis zeigt sich, dass die Honorare des SiGeKo eine sehr weite Spanne aufweisen. Im Extremfall wird, um den gesamten Auftrag zu erhalten, die Tätigkeit nicht besonders vergütet. Dies gilt gleichermaßen für Planungsbüros und Generalunternehmer. Andererseits können im Einzelfall sehr hohe und lukrative Honorarforderungen durchgesetzt werden. Im Weiteren werden die Honorare, die sich aus in der Literatur gefundenen Honorartabellen ergeben, grafisch dargestellt. In Kapitel 3 erfolgt eine Kalkulation über die geforderte Leistung. (1); (2)
 

Berechnung über Honorartabellen

Nachfolgend werden vier Honorarempfehlungen angeführt:

- die Honorarempfehlung der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AK NW); hierbei wird getrennt in die 1. Ausgabe (AK NW alt) und in den überarbeiteten Honorarvorschlag Stand Januar 2000 (AK NW neu) (3),

- die Honorarempfehlung der Bau-Atelier-Vereinigung der Koordinatoren für Sicherheit und Gesundheitsschutz BVKSG e. V. (4) und

- die Honorarempfehlung der Ingenieurgruppe Tepasse (5).
 

Die grafische Darstellung erfolgt getrennt für die Planungs- und für die Ausführungsphase. Abschließend werden beide Phasen zusammen dargestellt. Für die Beispiele werden folgende Bedingungen angesetzt: Es wird ein externer Koordinator beauftragt und die Bauvorhaben haben einen mittleren Schwierigkeitsgrad. Um die Auswirkungen der Baustellengröße auf das Honorar abschätzen zu können, werden anrechenbare Kosten nach DIN 276 über 500 TDM, 5 Mio. DM, 10 Mio. DM und 50 Mio. DM betrachtet.
 

Beispiel 1: Planungsphase

Abb.1 zeigt, dass das Bau-Atelier jeweils sehr hohe Honorarsätze in der Planungsphase, Tepasse sehr niedrige angibt. AK NW neu liegt bei kleineren Baumaßnahmen über denen des Bau-Ateliers, nähert sich aber bei größeren Baumaßnahmen den Werten von Tepasse. AK NW erhöht in der überarbeiteten Version vom Januar 2000 (AK NW neu) die Honorare bei kleinen Baumaßnahmen, empfiehlt jedoch bei größeren Baumaßnahmen inzwischen geringere Honoraransätze.

Abb. 1: Honorarauswertung in der Planungsphase
 
 

Es ergeben sich folgende DM-Beträge in der Planungsphase:
 
Anrechenbare Kosten Maximaler Wert Minimaler Wert
500.000 DM 2.810 DM AK NW neu 1.147 DM Tepasse
50.000.000 DM 87.500 DM Bau-Atelier 21.500 DM Tepasse

 

Beispiel 2: Ausführungsphase

Auch Abb.2 zeigt, dass das Bau-Atelier die höchsten Honorarsätze für die Ausführungsphase der vier ausgewerteten Honorartabellen angibt. AK NW gibt einen hohen Wert an bei kleineren Baumaßnahmen, unterschreitet bei großen Baumaßnahmen jedoch die Ansätze von Tepasse. Bei Tepasse fällt auf, dass in der Ausführungsphase ein konstanter Wert angesetzt wird. Begründet wird dieser Ansatz bei Tepasse, dass Bauzeit und anrechenbare Kosten in einem direkten Verhältnis stehen. AK NW neu empfiehlt in der Ausführungsphase bei kleinen Baumaßnahmen geringere Honorare gegenüber den ursprünglichen eigenen Werten, erhöht diese jedoch bei größeren Baumaßnahmen.

Abb. 2: Honorarauswertung in der Ausführungsphase
 
 

Es ergeben sich folgende DM-Beträge in der Ausführungsphase:
 
Anrechenbare Kosten Maximaler Wert Minimaler Wert
500.000 DM 3.750 DM Bau-Atelier 1.050 DM Tepasse
50.000.000 DM 125.000 DM Bau-Atelier 54.000 DM AK NW alt 

70.000 DM AK NW neu


 
 

Beispiel 3: Planungs- und Ausführungsphase

Beispiel 3 stellt die Aufsummierung der Honorare der Planungs- und der Ausführungsphase dar.

Abb. 3: Honorarauswertung für die Planungs- und Ausführungsphase
 
 

Die Auswertung des prozentualen Anteils der Planungs- und der Ausführungsphase an den Honoraren ergibt ein Verhältnis von 40 % zu 60%. AK NW neu ändert dieses Verhältnis von 45 % / 55 % bei kleineren Baumaßnahmen bis 30 % / 70 % bei größeren Baumaßnahmen. Bei Tepasse ergibt sich durch den festen Ansatz für alle Baumaßnahmen in der Ausführungsphase ein Verhältnis von 52 % / 48 % bis 17 % / 83 % für Planungs- zu Ausführungsphase.
 
Anrechenbare Kosten
Bau-Atelier AK NW alt AK NW neu Tepasse
500.000 DM  40% 40% 45% 52%
5.000.000 DM  46% 40% 37% 39%
10.000.000 DM  45% 40% 35% 34%
50.000.000 DM  40% 40% 30% 17%

Tafel 1: Prozentualer Anteil der Planungsphase an den Honoraren für Planungs- und Ausführungsphase


Die in den Abb. 1 bis 3 dargestellten prozentualen Werte werden für das bessere Verständnis in Tafel 2 als DM-Beträge angeführt. 
 
Planungsphase  
Bau-Atelier
AK NW alt
AK NW neu
Tepasse
500.000 DM  2.500 DM  2.400 DM  2.810 DM  1.147 DM 
5.000.000 DM  19.500 DM  8.400 DM  8.300 DM  6.810 DM 
10.000.000 DM  32.000 DM  11.600 DM  11.200 DM  10.820 DM 
50.000.000 DM  85.000 DM  36.000 DM  30.000 DM  21.550 DM 
         
Ausführungsphase  
Bau-Atelier
AK NW alt
AK NW neu
Tepasse
500.000  3.750 DM  3.600 DM  3.440 DM  1.050 DM 
5.000.000  23.000 DM  12.600 DM  14.210 DM  10.500 DM 
10.000.000  39.000 DM  17.400 DM  20.800 DM  21.000 DM 
50.000.000  125.000 DM  54.000 DM  70.000 DM  105.000 DM 
         
Planungs- und Ausführungsphase
 
Bau-Atelier
AK NW alt
AK NW neu
Tepasse
500.000 DM  6.250 DM  6.000 DM  6.250 DM  2.197 DM 
5.000.000 DM  42.500 DM  21.000 DM  22.510 DM  17.310 DM 
10.000.000 DM  71.000 DM  29.000 DM  32.000 DM  31.820 DM 
50.000.000 DM  210.000 DM  90.000 DM  100.000 DM  126.550 DM 

Tafel 2: Honorarempfehlungen der angeführten Beispiele in DM-Beträgen
 

Um die Höhe der Honorare besser einschätzen zu können, wird hieraus das zulässige Stundenbudget berechnet. Es wird ein Honorar von 100,- DM/h angesetzt. Folgendes zulässiges Stundenbudget ergibt sich:
 
Planungsphase  
Bau-Atelier AK NW alt AK NW neu Tepasse
500.000 DM  25,0 24,0 28,1 11,5
5.000.000 DM  195,0 84,0 83,0 68,1
10.000.000 DM  320,0 116,0 112,0 108,2
50.000.000 DM  850,0 360,0 300,0 215,5
         
Ausführungsphase  
Bau-Atelier AK NW alt AK NW neu Tepasse
500.000  37,5 36,0 34,4 10,5
5.000.000  230,0 126,0 142,1 105,0
10.000.000  390,0 174,0 208,0 210,0
50.000.000  1250,0 540,0 700,0 1050,0
         
Planungs- und Ausführungsphase
  Bau-Atelier AK NW alt AK NW neu Tepasse
500.000 DM  62,5 60,0 62,5 22,0
5.000.000 DM  425,0 210,0 225,1 173,1
10.000.000 DM  710,0 290,0 320,0 318,2
50.000.000 DM  2100,0 900,0 1000,0 1265,5

Tafel 3: Zulässiges Stundenbudget bei Ansatz von 100,- DM/h
 

Betrachtet man das zulässige Stundenbudget bei einem Bauvorhaben mit 500.000 DM anrechenbaren Kosten, so zeigt sich, dass mit 12 Stunden bei Tepasse oder auch mit 25 Stunden nicht viel Zeit bleibt, die Vorgaben der Baustellenverordnung für die Planungsphase umzusetzen. Das zulässige Stundenbudget für die Ausführungsphase sieht nicht besser aus. Setzt man 150 DM/h an, so sind die zulässigen Stunden nicht ausreichend. Um die Zahlen besser beurteilen zu können, wird nachfolgend beispielhaft der voraussichtliche Aufwand kalkuliert. Das Ergebnis wird den hier ermittelten Werten aus den Honorartabellen gegenübergestellt. 
 

Berechnung über den geschätzten Leistungsaufwand

Für das Beispiel werden folgende Annahmen getroffen:

Bauzeit: 15 Monate

Schwierigkeitsgrad: normal

Anrechenbare Kosten: 5 Mio.DM

Nebenkostenansatz: 5 %

Wagnis und Gewinn: 3 %
 

Zuerst werden die Kosten je Baustellenbesuch kalkuliert. Hierbei wird von einem zeitlichem Aufwand von 2,5 Stunden je Baustellenbesuch ausgegangen. Dieser Ansatz kann sehr stark variieren. Einfluss haben Art, Lage und Größe der Baumaßnahme, der Bauherr, Anzahl, Art und Qualität der (Fach-)Planer und der ausführenden Unternehmen und v. m. 
 
 
 

Kosten je Baustellenbesuch in der Ausführungsphase
 

Anwesenheit auf der Baustelle 2,5 h    
Anfahrt / Rückfahrt 1,0 h    
Dokumentation 0,5 h    
Summe Stunden je Termin: 4,0 h  
Angenommener Stundensatz: 100 DM/h  
Angenommene Lohnkosten je Termin:     400,00 DM
 
Kilometergeld 50 km à 0,80 DM/km
40,00 DM
 
Zwischensumme     440,00 DM
       
Nebenkosten 5% von 440 DM
22,00 DM
Wagnis und Gewinn 3% von 440 DM
13,20 DM
 
Summe    
475,20 DM

 
 
 
Angenommene Verteilung der Baustellenbesuche über die Bauzeit:
3 Termin(e) pro Woche 0 Monate 0 Termine  
2 Termin(e) pro Woche 3 Monate 24 Termine  
1 Termin(e) pro Woche 12 Monate 48 Termine  
Bauzeit: 15 Monate 72 Termine  
Kosten in der Ausführungsphase:  
34.214,40 DM 
       
Kosten in % der anrechenbaren Kosten:  
0,68%

 

Der Vergleich der Honorare der Honorartabellen mit dem eigenen Ansatz wird nachfolgend gezeigt:
 
Ausführungsphase          
  Bau-Atelier AK NW alt AK NW neu Tepasse Eigener Ansatz
5.000.000 23.000 DM 12.600 DM 14.210 DM 10.500 DM 34.214 DM
           
Abweichung in % -33% -63% -58% -69% -

 

Man erkennt deutlich, dass die Werte der untersuchten Honorartabellen an der unteren Grenze angesiedelt sind.Reduziert man die Dauer des Baustellenbesuchs auf eine Stunde, so wird immer noch ein Honorar von 22.550 DM benötigt. Das Honorar von Tepasse lässt sich unter den hier angesetzten Bedingungen (1 h Fahrzeit, 0,5 h Dokumentation) überhaupt nicht verwirklichen, auch wenn die 6% Nebenkostenpauschale bei Tepasse noch berücksichtigt werden. Erst wenn die Fahrzeit nicht angesetzt wird, ergibt sich neben 0,5 h für die Dokumentation eine weitere halbe Stunde Zeit für die Koordination in der Ausführungsphase. Bei einem Stundensatz von 150,- DM/h berechnet sich für die anfänglich genannten Annahmen dieses Beispiels ein Honoraransatz von 50.000 DM (1 % der anrechenbaren Kosten). 
 
 
 

Zusammenfassung

Der verursachungsgerechteste Weg ist die Vergütung nach tatsächlich erbrachter Leistung (Stundenhonorar). Dieser Weg ist dann zu beschreiten, wenn der Bauherr noch keine Erfahrung mit der Baustellenverordnung hat und die Leistungsinhalte des SiGeko, die nach BaustellV erforderlich sind; ausreichend genau beschreiben kann. Dies gilt auch dann, wenn die übergeordneten Rahmenbedingungen für die Baudurchführung noch offen sind. Die Höhe des Honorars kann überschlägig analog der Berechnung über den geschätzten Leistungsaufwand bestimmt werden. Die wenigsten Bauherrn werden jedoch bereit sein, ein leistungsgerechtes Honorar zu vergüten. 
 

Deshalb muss die Honorierung fest vorgegeben werden; sie darf nicht dem Wettbewerb unterstellt werden, wenn die Baustellenverordnung sinnvoll umgesetzt werden soll. Das Leistungsbild des SiGeKo muss klar definiert werden! Der SiGeKo darf nicht gleichzeitig als planender Architekt oder in der bauleitenden Ausführung tätig sein. Hier ist der politische Wille gefordert.
 

Literatur

Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (2000), http://www.aknw.de/service/honoraravorschlag.htm
 

Bau-Atelier (1999), Bau-Atelier-Vereinigung der Koordinatoren für Sicherheit und Gesundheitsschutz BVKSG e. V., Leipzig, Der Koordinator
 

Berner, F.,  u. a. (2000), Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen, Bauwerk Verlag, Berlin
 

Tepasse, R. (1999), Handbuch Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordination auf Baustellen, 2. Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 1999, S. 427 ff

 
     
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Stand: 9 Februar, 2001