Ablauf- und Terminplanung im Wohnungsbau

 

Von Dr.-Ing. Wolfgang Paul, Institut für Baubetriebslehre der Universität Stuttgart und Dipl.-Ing. Thorsten Huff, Wolff & Müller GmbH & Co. KG, Stuttgart

 

 

 

Einleitung

Ziel dieser Ausarbeitung ist es, eine edv-gestützte Ablauf- und Terminplanung im Wohnungsbau darzustellen, welche auf einfachen Baumassenzahlen beruht, und dadurch in einer frühen Phase durchgeführt werden kann. Es werden zunächst alle beteiligten Gewerke und ihre gegenseitigen Abhängigkeiten analysiert. Über einfache Kennzahlen und Leitwerte wird der notwendige Arbeitsaufwand bestimmt, um daraus eine sinnvolle Terminplanung ableiten zu können. Es soll eine Arbeitserleichterung geschaffen werden, die durch ihre Einfachheit einen Anreiz des frühzeitigen Planens der zeitlichen Abläufe gibt.

 

 

Die Gewerke in der Bauausführung

Einteilung der Gewerke beim Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern

Generell ist eine Einteilung in Rohbau – Rohausbau (Grobmontage) – Estrich / Innenputz – Feinausbau (Feinmontage) möglich, welche auch bei unterschiedlicher Ausstattung bzw. Ausführung bestehen bleibt.


 

 


Abb. 1: Grobablauf im Wohnungsbau

           

Rohbau

Zu Beginn müssen die Grundlagen für den zu erstellenden Rohbau geschaffen werden. Dazu zählen das Freimachen des Grundstücks, der Aushub der Baugrube und die Gründungsarbeiten. Parallel verläuft bei kleineren Vorhaben nach und nach die Baustelleneinrichtung. Im privaten Wohnungsbau sind meist weniger aufwändige Gründungsarbeiten erforderlich als bei großen Projekten mit mehreren Untergeschossen oder hohen Fundamentlasten. Allerdings kann bereits ein hoch anstehender Grundwasserspiegel einen nicht zu unterschätzenden Arbeits- und damit Zeit- und Kostenaufwand auslösen. Während dieser Zeit und den nachfolgenden Rohbauarbeiten bleibt der Generalunternehmer, der meist nur die Rohbauarbeiten selbst ausführt, alleine auf der Baustelle. Bei größeren Projekten werden Arbeiten wie das Verlegen von Bewehrungsstahl oder Schwarzabdichtungen oft an Subunternehmer vergeben, dagegen führt im Wohnungsbau der Generalunternehmer diese Arbeiten meist selbst mit aus.

 

Lediglich für das Verlegen von Leerrohren oder für den Wasseranschluss sind kurzfristig andere Gewerke wie Elektriker oder Flaschner auf der Baustelle notwendig. Hierbei ist eine Verständigung der Handwerker untereinander notwendig, da der externe Steuerungsaufwand für diese Arbeiten viel zu hoch ist.

 

Rohausbau / Grobmontage

Nach Erstellung des Rohbaus bzw. noch während der letzten Bauphase beginnen die ersten Ausbaugewerke auf der Baustelle. Nach der Dachabdichtung und dem Einbau der Fenster, sind dies zunächst der Elektriker, der Flaschner und der Heizungsbauer, welche die Grobmontage ihrer Anlagen durchführen. In der Regel können diese drei Gewerke gleichzeitig stattfinden, da Ausweichmöglichkeiten im Haus gegeben sind, und die Arbeiten nicht zwingend von einem festen Punkt aus erfolgen müssen.

 

Estrich / Innenputz

Wenn die Rohmontage aller Installationen beendet ist sowie kleinere vorbereitende Arbeiten wie das Schließen von Schlitzen oder das Setzen der Fensterbänke erledigt sind, verlassen die meisten Gewerke vorübergehend die Baustelle. Lediglich der Gipser wird noch vor Ort sein. In dieser Zeit werden normalerweise zuerst die Innenwände verputzt, um danach den Estrich legen zu können. Nicht zu vernachlässigen ist die nun folgende Trocknungszeit, welche je nach verwendetem Material unterschiedlich ist.

 

Feinausbau / Feinmontage

Nach ausreichender Erhärtung des Estrichs kehren die Gewerke Elektro / Heizung / Sanitär wieder zurück, um nun die Feinmontage vorzunehmen. Zeitgleich erfolgen die Fliesen- bzw. Steinarbeiten. Weitere Einbauten werden von den unterschiedlichsten Gewerken wie   z. B. Schreinern getätigt. Im Anschluss werden die Malerarbeiten ausgeführt, welchen dann als Abschluss die Bodenbeläge folgen.

 

Außenarbeiten

Die Außenarbeiten laufen weitgehend unabhängig von den Arbeiten im Inneren ab, und orientieren sich hauptsächlich am Einzugs- bzw. Übergabetermin. Allerdings kommt hier wieder der Witterungseinfluss zum Tragen, welcher die Arbeiten nicht zu jeder Jahreszeit zulässt. Besonders frostempfindlich ist der Außenputz, der unbedingt vor dem Anlegen der Außenbereiche erfolgen sollte, um Schäden z.B. an Bepflanzungen zu vermeiden.

 

 

Die einzelnen Gewerke und ihre gegenseitige Beeinflussung

Im Gegensatz zu größeren Wohnbauprojekten oder Büro- und Gewerbebauten übt die Einteilung von Lagerflächen in und um den Bau keinen wesentlichen Einfluss auf den Bauablauf aus. Durch den geringeren Ausbaustandard und geringere auszuführende Mengen bleibt die einzubauende oder zu verarbeitende Menge an Stoffen und Materialien beschränkt. Des Weiteren werden die Materialien auf den Tag genau angeliefert und entweder sofort eingebaut oder aber im Bau verteilt und gelagert. Aus diesem Grund entstehen keine gegenseitigen Behinderungen. Als Folge beruhen die Abhängigkeiten fast ausschließlich auf fertigungstechnischen Gegebenheiten.

 

Rohbauarbeiten

Unter den Rohbauarbeiten werden alle Tätigkeiten verstanden, die zur Erstellung des Rohbaus erforderlich sind. Es handelt sich dabei um die Erdarbeiten, Mauerarbeiten sowie Beton- und Stahlbetonarbeiten. Wie oben bereits erwähnt, werden diese Arbeiten meist vom Generalunternehmer selbst ausgeführt. Der Steuerungsaufwand ist dadurch etwas größer, da die Planung des Personal- und Geräteeinsatzes notwendig ist. Auch die Materialdisposition muss dabei im eigenen Unternehmen erfolgen. Wichtig ist in dieser Phase, dass alle Genehmigungen vorhanden sind, damit sowohl der Anschluss an das Wasserversorgungsnetz, als auch an die Abwasserleitung vorgenommen werden kann.

 

Die Einhaltung der Maße, insbesondere bei den Rohbauhöhen, benötigt besondere Beachtung. Diese sind in Verbindung mit den späteren Fertigfußbodenhöhen abzustimmen, wobei beispielsweise auf Treppen oder Podesten durchaus andere Höhen einzuhalten sind, als in den Wohnungen. Genauso ist in diesen Bereichen zur Vermeidung von Schallbrücken auf die konsequente Trennung der Bauteile zu achten[1].

 

Noch vor Abschluss der Rohbauarbeiten können schon die ersten Installationen vorgenommen werden. Bis dahin sollten jedoch die nichttragenden Innenwände zum Großteil fertiggestellt sein. Des Weiteren müssen als eine Art Nachläufer die Vormauerungen gesetzt werden, falls Vorwandinstallationen im Sanitärbereich verwendet werden.

 

Nach Abschluss des Rohausbaus in den Bereichen Sanitär / Elektro / Heizung und der damit verbundenen Druckprüfung hat der Maurer letztlich noch die Schlitze und Deckendurchbrüche zu schließen.

 

Zimmer- und Holzbauarbeiten

Sobald die nötigen Auflagerpunkte für die Dachkonstruktion vorhanden sind, kann der Zimmermann mit dem Aufschlagen des Daches beginnen (bei Sattel-, Mansardendächern). Ebenso können falls erforderlich Flachdachkonstruktionen erstellt und eingeschalt werden. In der Regel wird mit hohem Personalaufwand aufgeschlagen, so dass der Dachstuhl bestehend aus Pfetten und Sparren meist schon nach einem Tag fertig ist. Konflikte zwischen Maurer und Zimmermann können entstehen, da in dieser Zeit der Kran ausschließlich für die Zimmerarbeiten benötigt wird.

 

Wichtig ist auch die vorläufige Dachabdichtung mit Dichtungsbahnen aus Bitumenbahnen oder Vlies. Ab diesem Zeitpunkt ist das Haus mehr oder weniger regengeschützt, so dass im Inneren die anderen Gewerke mit der Rohinstallation beginnen können. Gegen Ende der Arbeiten folgen etwa zeitgleich die Dachdeckerarbeiten, falls sie nicht sogar vom Zimmermann selber ausgeführt werden, und die Flaschnerarbeiten. Der direkte Kontakt der Ausführenden ist hier besonders wichtig, damit Anschlüsse und Eindeckungen optimal aufeinander abgestimmt sind, und nicht im Nachhinein Nachbesserungen durchgeführt werden müssen.

 

Nachdem das Dach eingedeckt ist, folgen im Inneren die Dämmmaßnahmen und die Abdichtung als Dampfsperre. Falls noch Teile des Innenausbaus mit übernommen werden, so beginnen diese mit Ausnahme des Trockenbaus (Gipskartonplatten montieren) erst nach Legen des Estrichs.

 

Klempnerarbeiten

Wie bei den Zimmerarbeiten bereits erwähnt, erfolgt die Ausführung der Blecharbeiten zwischen dem Einlatten des Daches und dem Eindecken.

 

Falls der Kamin das Dach durchdringt, muss dieser rechtzeitig, meist durch den Maurer, gesetzt sein, damit die Anschlüsse ordnungsgemäß ausgeführt werden können. Es besteht des Weiteren die Möglichkeit, dass bei Balkonen oder Ähnlichem, Anschlüsse an Fenster erforderlich sind. In diesem Fall sind diese vorher einzubauen und die Arbeit des Flaschners auf die erforderliche Konstruktion genau abzustimmen.

 

Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten

Falls der Dachdecker als eigenes Gewerk vorkommt, so findet er in der Praxis von den bloßen Sparren bis zum fertig eingelatteten Dach alle Zwischenstufen vor. Folglich muss bereits bei der Vergabe geklärt sein, wer welche Leistungen übernimmt. Eine weitere Tätigkeit, welche vom Dachdecker häufig ausgeführt wird, ist die Abdichtung von Flachdächern mit Bitumenschweißbahnen. Auch in diesem Fall ist wieder die Absprache mit dem Flaschner erforderlich, damit die Anschlüsse rechtzeitig angebracht werden können.

 

Verglasungsarbeiten

Die Fenster können eingebaut werden, wenn eine vorläufige Dachabdichtung vorhanden ist. Dieses Gewerk besitzt relativ wenige Reibungsstellen, da es immer genug Ausweichmöglichkeiten im Haus gibt. Sobald die Fenster eingebaut sind und das Dach vollständig geschlossen ist, ist der Rohbau winterfest. Ab diesem Zeitpunkt spielen Witterungseinflüsse keine große Rolle mehr, und die Arbeiten im Inneren können unbehindert durchgeführt werden. Die Haustür sollte wegen der Gefahr der Beschädigung möglichst spät eingebaut werden. Der letzte mögliche Zeitpunkt ist kurz vor Ausbringen des Estrichs. Damit wird erreicht, dass die Anschlagschiene satt eingegossen ist.

 

Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen (Heizungsarbeiten)

Der Rohausbau kann beginnen, sobald das Gebäude geschlossen ist. Zuerst erfolgt die Grobmontage der Leitungen, wobei den Sanitärarbeiten oft ein gewisser Vorlauf bei den Steigleitungen zu geben ist[2]. Nach der Montage der Heizzentrale werden zunächst die Heizkörper provisorisch angeschlossen, um durch Abdrücken des Heizkreislaufs die Dichtheit zu überprüfen. Nach erfolgreicher Überprüfung werden die Heizkörper wieder abmontiert, damit der Gipser ungehindert den Innenputz und Estrich ausbringen kann. Sie werden entweder erst nach Beendigung der Fliesen- und Malerarbeiten wieder angebracht, oder falls keine Behinderungen zu erwarten sind, bereits nach den Innenputzarbeiten.

 

Wenn auch die Grobmontage der Elektroarbeiten abgeschlossen und damit auch die Heizungsanlage angeschlossen ist, werden als letztes die Heizkörper eingeregelt.

 

Gas-, Wasser- und Abwasser – Installationsarbeiten (Sanitärarbeiten)

Zeitgleich mit den Heizungsarbeiten beginnen auch die Sanitärarbeiten. Besonders in der Grobmontage gibt es viele Überschneidungen mit dem Heizungsbauer, was eine besonders gute Abstimmung erfordert. Vorteilhaft erweist sich hierbei die Vergabe an Unternehmen, welche beide Gewerke übernehmen.

 

Die Grobmontage umfasst die Rohrleitungsmontage für Wasser, Abwasser sowie Entlüftungen. Ferner wird die Sanitärzentrale (Übergabestation Kalt-, Warmwasser, Gas- und Wasserleitung der Heizung) installiert. Sofern die Sanitärobjekte nicht direkt an einer Vormauerung angebracht werden, ist der zusätzliche Einbau von sogenannten Installationsbausteinen erforderlich[3]. Als Letztes schließt der Maurer die Schlitze und erstellt die Vormauerungen.

 

Nachdem der Estrich ausreichend erhärtet ist, können die Flächen gefliest werden. Sind allerdings Bade- oder Duschwannen vorgesehen, so müssen diese gesetzt und geerdet sein, bevor mit dem Fliesen begonnen wird. Hier entsteht ebenfalls ein Abstimmungsbedarf mit dem Fliesenleger. Erst relativ spät wird die restliche Sanitäraustattung wie zum Beispiel die Armaturen angebracht. Auf diese Weise wird einer Beschädigung oder gar einem Diebstahl vorgebeugt.

 

Nieder- und Mittelspannungsanlagen (Elektroarbeiten)

Falls keine äußerst gute Abstimmung mit Rohbauunternehmen vorhanden ist, verlegt der Elektriker bereits während der Rohbauphase immer wieder vor jedem Betoniervorgang Leerrohre oder Einbauteile auf bzw. in der Bewehrung.

 

Wie die Gewerke Heizung und Sanitär beginnt der Elektriker mit der Grobmontage nach der (provisorischen) Dachabdichtung. Wird ein Unterflursystem zur Verlegung der Kabel verwendet, dürfen während des Verlegens der Kanäle keine anderen Arbeiten in diesem Bereich stattfinden. Unmittelbar im Anschluss sollte der Estrich eingebracht werden[4].

 

Nach Fertigstellung der Estricharbeiten und der Montage der Rolladen (z. T. elektrische Anschlüsse) kann der Elektriker Schalter, Steckdosen und sonstige Geräte einbauen. Um Verschmutzungen vorzubeugen, montiert man die Abdeckungen dabei erst nach den Malerarbeiten.

 

Putz- und Stuckarbeiten

Es müssen alle vorangehenden Arbeiten vollständig abgeschlossen sein, damit mit dem Verputzen der Innenwände begonnen werden kann. Das bedeutet auch, dass sofern nur ein einziges Gewerk mit Verzögerung abgeschlossen wird, es zu Behinderungen des gesamten Ablaufs kommt.

 

Im Einzelnen müssen die Rohbauarbeiten einschließlich dem Schließen aller Schlitze beendet sein. Des Weiteren gehören auch der Einbau der Fenster mit Fensterbänken sowie alle Installationen und Einbauteile, welche unter dem Innenputz ausgeführt werden, dazu. Während dem Verputzen der Innenwände befinden sich  keine weiteren Handwerker auf der Baustelle.

 

Nachdem der Putz unter Berücksichtigung ausreichender Trockenzeiten ausreichend erhärtet ist, können die Vorbereitungen für das Estrichlegen erfolgen.

 

Anders ist die Situation beim Außenputz. Dieser erfordert im Gegensatz zum Innenputz so gut wie keine Vorarbeiten, und ist terminlich eher am Fertigstellungsdatum orientiert. Lediglich die Rohbauarbeiten mit Fenstern und den Flaschnerarbeiten müssen abgeschlossen sein. Wichtiger sind  die nachfolgenden Arbeiten, wie zum Beispiel das Montieren von Sonnenschutz oder das Anlegen der Außenanlagen, da diese rechtzeitig vor dem Fertigstellungstermin beendet sein müssen.

 

Estricharbeiten

In der Regel wird der Estrich nach dem Verputzen der Innenwände eingebracht. Dadurch ist vor allem eine saubere Ausführung des so genannten Schwimmenden Estrichs gewährleistet, bei dem keine direkten ungedämmten Verbindungen zu angrenzenden Bauteile entstehen dürfen. Falls Bauteile, wie beispielsweise Anschlagschienen oder Türzargen, die mit dem Estrich verbunden sein müssen, Verwendung finden, so sind diese nun einzusetzen.

 

Fliesen- und Plattenarbeiten

Mit den Fliesenarbeiten kann bereits ungefähr nach einer Woche nach den Estricharbeiten  begonnen werden. Stoßen die Fliesen an andere Bauteile, so muss die Ausführung dieser Anschlüsse genau geklärt sein.

 

Maler- und Lackierarbeiten (einschließlich Tapezierarbeiten)

Die Malerarbeiten können prinzipiell direkt nach den Innenputz- und Estricharbeiten beginnen. Lediglich die Feinmontage der Installationen muss vorher noch erbracht werden.

In Bereichen mit gefliesten Flächen oder Natursteinbelägen müssen diese zuerst ausgeführt werden.

 

Tischlerarbeiten

Der Einbau von Türen und Türzargen erfolgt in der Regel nach den Estrich- und Fliesenarbeiten.

 

Bodenbelagarbeiten

Das Verlegen der Bodenbeläge verläuft vor der Endreinigung als letzter Arbeitsgang. Um Verschmutzungen zu vermeiden, sollten alle anderen Arbeiten wie die Montage von Sanitärteilen oder das Verfugen endgültig abgeschlossen sein.

 

Landschaftsbauarbeiten (Außenanlagen)

Die Außenanlagen werden wie der Bodenbelag als letzter Schritt fertiggestellt. Sie können erst nach dem Außenputz und damit nach dem Entfernen des Arbeitsgerüstes angelegt werden.

 

Zusammenfassung der Abhängigkeiten

Gewerk

Abhängigkeiten zu Vorgänger

Rohbauarbeiten

EA Erdbau = 0  [E= Ende; A = Anfang]

Holzbau

EA Rohbau = -1

Klempnerarbeiten

EA Holzbau = -1

Dachdeckungsarbeiten

EA Holzbau = -1

Verglasungsarbeiten (Fenster, Haustüre)

Fenster: AA Holzbau = 1

Haustüre: AE Estrich = 0

Heizungsarbeiten

Grob: EA Fenster = 0

Fein: EA Innenputz = 0 

Sanitärarbeiten

Grob: EA Fenster = 0

Fein: EA Fliesen = 0

Elektroarbeiten

Grob: EA Fenster = 0

Fein: EA (Estrich, Rolläden) = 0

Putz- und Stuckarbeiten

Innen: EA (Schlitze, Fensterbänke, Rohinst) = 0

Außen: AE Außenarbeiten = 0

Estricharbeiten

EA (Innenputz, Fertigtreppe, Fußbodenheizung,  Haustüre) = 0

Fliesen- und Plattenarbeiten

EA Estrich = 1

EA Rolläden = 0

Malerarbeiten

EA (Elektro fein) = 0

Tischlerarbeiten

EA Fliesen = 0

Bodenbelagarbeiten

EA (Fugen, Sanitär, Maler, Tischlerarbeiten) = 0

Landschaftsbauarbeiten

AE Einzug = 0

 

Tabelle 1: Zusammenfassung der Abhängigkeiten (Angaben in Wochen)

 


Der Bauzeitenplan

Ein Bauzeitenplan wird erstellt, damit die Leistungen aller Unternehmer sicher ineinandergreifen[5]. Im Regelfall wird er im Zuge der Arbeitsvorbereitung vom Auftragnehmer (meist Generalunternehmer) erstellt[6].

 

Einordnung in die Ablauf- und Terminplanung

Die Terminsteuerung muss so genau ausgearbeitet sein, damit sie die von Scheer[7] genannten Anforderungen erfüllen kann, nämlich:

 

·         Effektive Projektorganisation

·         Effiziente Planung der Abläufe

·         Gut durchdachte Planung der Logistik

 

Im Fall des Wohnungsbaus liegt die erforderliche Genauigkeit im Wochenbereich, wobei einzelne Vorgänge wie beispielsweise das Aufschlagen des Dachstuhls nach Tagen terminiert werden.

 

Als weiteren Vorteil bietet dieser kleine Freiraum die Möglichkeit der Koordination der Subunternehmer (Handwerker) untereinander, wenn mehrere Gewerke gleichzeitig ablaufen.

 

Die ideale Kooperation der Beteiligten

Der Generalunternehmer (GU) muss versuchen, den Subunternehmer über Anreize und Informationen zu optimaler Vertragserfüllung zu motivieren.

 

Die Subunternehmer müssen in gewissem Rahmen über den gesamten Ablauf informiert sein, damit sie selbst frühzeitig planen können. So ist zu empfehlen, dass die einzelnen Subunternehmer eine Übersicht erhalten, in der festgelegt ist, wann die anderen Vorgänger- oder Nachfolgegewerke vor Ort sind, und vor allem, wer das jeweils ausführende Unternehmen ist. Dies erhöht zusätzlich die Sicherheit auf der Baustelle.

 

Allgemeine Grundlagen zur Bestimmung von Aufwandswerten

Die für die Ausführung benötigte Arbeitszeit wird mit Hilfe von Aufwandswerten berechnet, welche auf eine bestimmte Mengeneinheit bezogen sind[8]:

 

                                       Arbeitsstunden (h)

Aufwandswert  = ————————————————————

                                 Mengeneinheit (z.B. m³, t, m²)

 
 

 

 

 


Um die erforderliche Zeit für die Ausführung zu bestimmen, ist noch die Frage zu klären, wie viele Arbeiter in einer Kolonne bzw. in einem Gewerk tätig sind. Hierbei haben sich gewisse Erfahrungswerte im Laufe der Zeit herausgebildet, welche Zahl für eine optimale Ausführung vonnöten sind. Beispielsweise führt eine Erhöhung der Arbeiterzahl nicht immer zu einer Erhöhung der Produktivität, da gegenseitige Behinderungen nicht ausgeschlossen werden können. Ab einer bestimmten Gebäudegröße können jedoch mehrere Kolonnen gleichzeitig ohne Behinderung arbeiten, so dass die Leistung deutlich ansteigt.

 

 

 

Gewerk

Kolonnenstärke

[Arbeiter]

Rohbau

3

Zimmerarbeiten

4

Dachdeckung (Ziegel oder Blech)

3

Estricharbeiten

3

Putzarbeiten (innen / außen)

3

Fliesenarbeiten

2

Malerarbeiten

4

Bodenbeläge (Textil)

2

Trockenbau

4

 

Tabelle 2: Bestimmung der optimalen Kolonnenstärke[9]

 

Realisierbarkeit rechnerisch ermittelter Ausführungsdauern

Die nachfolgend ermittelten Zeiten sind in dieser Form nicht immer in der Praxis zu realisieren. So geben vor allem die Aufwandswerte aus der Literatur meist nur die reine Arbeitszeit an, nicht aber die tatsächlich erforderliche Zeitspanne. Zur reinen Arbeitszeit kommen noch Zuschläge für unvermeidliche Verzögerungen und Arbeiten hinzu, die nicht eingeplant werden können. Des Weiteren streuen die Aufwandswerte erfahrungsgemäß, und es kann nicht sichergestellt werden, dass der gewählte bzw. abgeschätzte Wert den tatsächlichen Anforderungen entspricht.

 

Konkrete Bestimmung der Aufwandswerte

 

Rohbauarbeiten

 

Größe (BRI)

Dauer

Aufwandswert

Kommentar

850 m³

7 Wochen

1,0 h / m³ BRI

Nur 40 h / Woche bei 3 Arbeitern

1.000 m³

6 Wochen

0,8 h / m³ BRI

Obere Leistungsgrenze bei 45 h / Woche

3.900 

16 Wochen

0,8 h / m³ BRI

Kolonne mit 5 Arbeitern

1.200 m³

12 Wochen

1,2 h / m³ BRI

Aufwändige Arbeiten mit lockerer Zeitvorgabe

Literatur:

 

0,5 – 2,0 h / m³ BRI

Nach Sommer (1998), S. 135

 

 

0,8 - 1,5 h / m³ BRI

Drees / Paul (2002), S. 296

 

Tabelle 3: Aufwandswerte im Rohbau aus Praxis und Theorie

 

In der Realität sind die Stundenansätze meist etwas höher anzunehmen, da im Nachhinein der Umfang der geleisteten Überstunden nicht immer nachzuweisen war. Übliche Wochenarbeitsstunden liegen nämlich oft zwischen 45 und 50 Stunden. Dabei versuchen die Unternehmen je nach Auftragslage, entweder die Kolonnen gleichmäßig zu beschäftigen (niedrigere Leistung je Woche), oder aber die einzelnen Bauvorhaben schnell abzuschließen (höhere Wochenleistungen).

 

Zur Berechnung bietet sich bei kleineren Gebäuden bis etwa 1.000 m³ BRI der feste Wert von 6 Wochen an, mit weiteren 150 m³ pro Woche (entspricht 0,8 h / m³ bei 40h-Woche und 3 Arbeitern). Ab etwa 1500 m³ erhöht sich dann die Kolonnenstärke, so dass pro Woche 200 bis 250 m³ BRI erreicht werden (entspricht 0,8  - 1,0 h / m³ bei 40h – Woche und 5 Arbeitern).

 

 

Zimmer- und Holzbauarbeiten

Das oft vorgefundene Zeitfenster von 2 Wochen kann für beinahe alle üblichen Gebäudetypen bis 4.000 m³ BRI (entspricht etwa 8 Wohneinheiten (WE)) verwendet werden. Die Größe des Dachstuhls erhöht sich weit langsamer als der Bruttorauminhalt, da zusätzliche Geschosse die Dachfläche nicht vergrößern. Deshalb kann für die hier zu bestimmenden Gebäudetypen der Wert fest übernommen werden. Lediglich bei aufwändigen oder zusätzlichen Arbeiten wie zum Beispiel Balkonen als Holzkonstruktion, oder zahlreichen Erkern und Dachkehlen, sollte der Wert um eine Woche erhöht werden.

 

Klempnerarbeiten

Diese Arbeiten können zwar sehr schnell beendet sein, benötigen aber trotzdem ein größeres Zeitfenster. So kann bei Einfamilienhäusern die Arbeit nach 1 bis 2 Tagen bereits abgeschlossen sein. Dennoch sollte generell eine Woche eingeplant werden, da der Stand der Vorleistungen nicht immer genau genug bekannt ist. Da Überschneidungen mit Zimmermann und Dachdecker aber keine Probleme bereiten, hat diese großzügige Zeitvorgabe keinen Einfluss auf den Gesamtablauf.

 

Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten

Ähnlich ist die Situation bei den Dachdeckungsarbeiten, welche bei entsprechender Vorleistung der anderen Gewerke in relativ kurzer Zeit beendet sein können. Deshalb genügt es ebenfalls, eine Woche für alle Ein- und Mehrfamilienhäuser bis zu 10 Wohneinheiten einzuplanen. Sollten allerdings noch Arbeiten wie die Abdichtung von Flachdächern hinzukommen, sollte zusätzlich eine Woche eingeplant werden.

 

Verglasungsarbeiten

Der Einbau der Fenster geschieht heutzutage sehr schnell, meist genügen bei Einfamilienhäusern 2 Tage, sofern sie keine übergroßen Verglasungen besitzen. Daraus folgt ein sinnvolles Zeitfenster von einer Woche bei kleineren Objekten. Ab 6 Wohneinheiten sollten besser zwei Wochen vorgegeben werden.

 

Der Einbau der Haustüre, sofern überhaupt im Bauzeitenplan erwähnt, geschieht üblicherweise an einem Tag. Hieraus folgt die Festlegung auf eine Woche, in der die Haustüre dann montiert wird. Bei genauerer Zeiteinteilung können auch ein oder zwei Tage konkret eingeplant werden.

 

Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen (Heizungsarbeiten)

Bei diesem Gewerk gibt die Literatur sehr übereinstimmende Werte an. Beim Vergleich mit den Zeitvorgaben aus der Praxis ist festzustellen, dass meist zwei bis dreimal soviel Zeit zur Verfügung gestellt wird als tatsächlich effektiv benötigt wird. Dies trifft ebenfalls auf die Gewerke Sanitär und Elektro zu. Diese drei Gewerke finden im Bauablauf dieselben Randbedingungen vorfinden und werden zum Teil auch gleichzeitig ausgeführt.


 


Größe (BRI)

Dauer

Aufwandswert

Kommentar

850 m³ BRI

2 + 1 Woche (Grob- und

Feininstallation)

0,28 h / m³ BRI

auf gesamte Zeit bezogen

Bei 2 Arbeitern

 

1.200 m³ BRI

2 + 1 Woche

0,3 h / m³ BRI

auf gesamte Zeit bezogen

Bei 3 Arbeitern

 

Literatur:

 

0,1 – 0,15 h /m³ BRI

Nach Greiner u.a. (2000), S. 153

 

 

0,175 h / m³ BRI

Nach Teutsch (1999),  Fallbeispiel S. 57

 

Tabelle 4: Vergleich ausgeführter Objekte mit Literaturwerten beim Gewerk Heizung

 

Daraus lassen sich folgende Wochenarbeitsleistungen bestimmen (Wo = Woche):

Grobinstallation:         (40 h / Wo x 3 Arbeiter) / 0,2 h / m³ BRI = 600 m³ BRI / Wo

Feininstallation:          (40 h / Wo x 3 Arbeiter) / 0,1 h / m³ BRI = 1.200 m³ BRI / Wo

 

Ab einer Gebäudegröße von 3.000 m³ BRI erhöht sich die Kolonnenstärke, so dass bei 5 Arbeitern sich folgende Werte bei Bedarf erreichen lassen:

Grobinstallation:         1.000 m³ BRI / Wo

Feininstallation:          2.000 m³ BRI / Wo

 

Gas-, Wasser- und Abwasser – Installationsarbeiten (Sanitärarbeiten)

Beim Gewerk Sanitärergeben sich ähnliche Werte wie bei den Heizungsarbeiten.

 

Größe (BRI)

Dauer

Aufwandswert

Kommentar

850 m³ BRI

2 + 1 Woche (Grob-

und Feininstallation)

0,28 h / m³ BRI

auf gesamte Zeit bezogen

Bei 2 Arbeitern

 

1.200 m³ BRI

2 + 2 Wochen

0,4 (0,27) h / m³ BRI

auf gesamte Zeit bezogen

Bei 3 (2) Arbeitern

 

Literatur:

 

0,15 – 0,25 h /m³ BRI

Nach Greiner u.a. (2000),  S. 153

 

 

0,15 h / m³ BRI

Nach Kochendörfer (1978)

 

 

0,14 h / m³ BRI

Nach Steinbrenner (1999),  Fallbeispiel S. 132

 

Tabelle 5 Vergleich ausgeführter Objekte mit Literaturwerten beim Gewerk Sanitär

 

Somit lässt sich wieder der Richtwert von 2 x 0,15 h / m³ BRI verwenden, der sich auch hier in 0,2 h / m³ für die Grobinstallation und 0,1 h / m³ für die Feininstallation aufteilt.

Die errechneten Wochenarbeitsleistungen lassen sich genauso übertragen:

 

Grobinstallation:         (40 h / Wo x 3 Arbeiter) / 0,2 h / m³ BRI = 600 m³ BRI / Wo

Feininstallation:          (40 h / Wo x 3 Arbeiter) / 0,1 h / m³ BRI = 1.200 m³ BRI / Wo

 

Ab einer Gebäudegröße von 3.000 m³ BRI ergeben sich bei 5 Arbeitern:

Grobinstallation:         1.000 m³ BRI / Wo

Feininstallation:          2.000 m³ BRI / Wo

 

 

Nieder- und Mittelspannungsanlagen (Elektroarbeiten)

Analog zu den beiden vorhergehenden Gewerken wird der Vergleich auch bei den Elektroarbeiten durchgeführt. Die Aufteilung in Grob- und Feininstallation ist in diesem Fall jedoch nicht mehr 2 : 1, sondern 1 : 1.

 

 

Größe (BRI)

Dauer

Aufwandswert

Kommentar

850 m³ BRI

2 + 2 Wochen (Grob-

und Feininstallation)

0,38 h / m³ BRI

auf gesamte Zeit bezogen

Bei 2 Arbeitern

 

1.200 m³ BRI

2 + 2 Wochen

0,4 (0,27) h / m³ BRI

auf gesamte Zeit bezogen

Bei 3 (2) Arbeitern

 

Literatur:

 

0,25 – 0,35 h /m³ BRI

Nach Greiner u.a. (2000),  S. 153

 

 

0,12 – 0,27 h / m³ BRI

Nach Kochendörfer (1978)

 

 

0,2 h / m³ BRI

Nach Bauer (2000), S. 160

Wohn-, Geschäftshaus

 

 

0,12 h / m³ BRI

Nach Bauer (2000), S. 160

Wohnanlage mit 71 WE

 

Tabelle 6: Vergleich ausgeführter Objekte mit Literaturwerten beim Gewerk Elektro

 

Für die reine Arbeitszeit erweist sich der Wert von 0,2 h / m³ BRI als sinnvoll. Als Zeitfenster ergibt sich dann bei Verdopplung des Aufwandswertes jeweils 0,2 h / m³ für die Grob- und für die Feininstallation.

 

Mit dieser Aufteilung werden Wochenarbeitsleistungen von jeweils 600 m³ BRI bei einem Gebäudevolumen bis zu 3.000 m³ BRI erreicht, danach sind jeweils 1.000 m³ BRI je Woche anzusetzen.

 

Putz- und Stuckarbeiten

Beim Innenputz genügen nach Angaben verschiedener Unternehmen zwei Wochen bis zu einer Größe von vier Wohneinheiten. Bei größeren Gebäuden reichen insgesamt drei Wochen aus, da dort mit stärkeren Kolonnen gearbeitet werden kann. Sollten diese Zeiten jedoch im Einzelfall nicht ausreichen, so kann eine leichte Überschneidung mit dem Gewerk Estricharbeiten in Kauf genommen werden.

 

Dem Außenputz wird in der Regel ein großzügiger Zeitraum zur Verfügung gestellt, da wie oben erwähnt diese Arbeit nicht in direktem Zusammenhang mit den  termingebundenen Arbeiten im Inneren steht. Deshalb reichen bei bis zu etwa 4 Wohneinheiten (ca. 2.500 m³ BRI) 4 Wochen aus, danach sollten 6 Wochen eingeplant werden.

 

Estricharbeiten

Die Estricharbeiten können je nach notwendigen Vorarbeiten vor allem bei vorhandener Fußbodenheizung bei einem Einfamilienhaus in frühestens drei Tagen abgeschlossen sein. Selbst bis zur Größe von Dreifamilienhäusern reicht noch eine Woche aus. Erst ab vier Wohneinheiten (ungefähr 2.500 m³ BRI) sollten zwei Wochen als Zeitfenster gewählt werden. Diese reichen nach Angaben von Bauleitern bis zu Gebäuden mit 10 Wohneinheiten aus, da in solchen Fällen mit höherem Personaleinsatz gearbeitet wird.

 

 

Fliesen- und Plattenarbeiten

Dieses Gewerk kommt in sehr unterschiedlichem Umfang zur Ausführung. Standard sind heutzutage geflieste Bäder und Toiletten. Dazu können Fliesen in Treppenhäusern, Wohnbereichen oder Küchen kommen. Aus diesem Grund ist eine pauschale Festlegung über das Gebäudevolumen nicht mit Sicherheit möglich. Stattdessen kann versucht werden, über die Anzahl der Sanitärräume oder der gefliesten Wohnbereiche einen Zeitbedarf zu ermitteln. Die Angaben von Bauleitern bezüglich des Zeitbedarfs pro Objekt bestätigen sich beim Vergleich mit ausgeführten Objekten:

 

Größe (BRI)

Dauer

Aufwandswert

Kommentar

850 m³ BRI

EFH mit ausgebautem DG

4 Wochen

 

2 Bäder, 2 WC

1.200 m³ BRI

reines EFH

3 Wochen

 

1 Bad, 2 WC, Treppe und Flur gefliest

Praxiswert:

 

1 Bad pro Woche

Bezogen auf einen Fliesen-

 

 

3 Tage pro WC

leger und evtl. eine Hilfs-

 

 

2 Wochen für gefliesten Fußboden im Wohnbereich

kraft

 

Tabelle 7: Vergleich tatsächlich benötigter Zeit mit Praxiswerten bei Fliesenarbeiten

 

Aus diesem Grund wird die gesamte Zeit für die Fliesenarbeiten selbst bei größeren Objekten 4 bis 6 Wochen selten überschreiten.

 

Maler- und Lackierarbeiten (einschließlich Tapezierarbeiten)

Bei den Malerarbeiten erfolgt, ähnlich wie bei den Fliesenarbeiten, bei steigender Gebäudegröße kein linearer Anstieg des Zeitaufwands. Es wird stattdessen ebenfalls die Kolonnenstärke erhöht, so dass die Leistung ansteigt.

 

Dennoch sollen hier Werte angegeben werden, welche die komplette Ausführung berücksichtigen: Bei Einfamilienhäusern sollten als Minimum drei Wochen eingeplant werden, vor allem, wenn diese Arbeit in Eigenleistung des Bauherren erbracht wird. Selbst bei größeren Objekten steigt dieser Wert dann auf maximal fünf Wochen an, wenn als Richtwert eine Woche pro Wohneinheit und Kolonne angesetzt wird, und ab etwa sechs Einheiten zwei Kolonnen tätig sind.

 

Tischlerarbeiten

Bei den Tischlerarbeiten fällt eine genaue Einteilung schwer, da der Arbeitsumfang stark schwanken kann. Deshalb wird in diesem Fall nur der Einbau der Türen berücksichtigt. Bei Einbau von Holzdecken oder Holzgeländern müssen entsprechende Zuschläge gemacht werden.

 

Bis zur Größe von drei Wohneinheiten reicht eine Woche aus, um die Türen einzubauen. Bei größeren Objekten bietet sich dann eine Staffelung an, mit zwei Wochen für sechs Wohneinheiten und drei Wochen für bis zu zehn Wohneinheiten.

 

 

 

 

Bodenbelagarbeiten

Wie bei den Malerarbeiten werden die Bodenbeläge nicht immer zum frühestmöglichen Zeitpunkt ausgeführt. Um dennoch eine Planung vornehmen zu können, sollten bei Einfamilienhäusern eine Woche und bei allen anderen Mehrfamilienhäusern zwei Wochen eingeplant werden.

 

Landschaftsbauarbeiten (Außenanlagen)

Der Umfang der Arbeiten an den Außenanlagen lässt sich pauschal nicht einschätzen und muss für den Einzelfall ermittelt werden. Als grobe Abschätzung sollten zwei Wochen für alle hier behandelten Gebäudetypen gewählt werden. Dies ergibt Sinn, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass bei größeren Mehrfamilienhäusern der Anteil an Flächen um das Haus relativ gesehen sinkt. Einfamilienhäuser haben dagegen einen vergleichsweise großen Anteil an anzulegenden Flächen.

 

Zusammenfassung der ermittelten Größen

Abschließend werden alle ermittelten Werte zusammengestellt. Zusätzlich wird ein grober Zusammenhang zwischen der Anzahl der Wohneinheiten und dem Gebäudevolumen angegeben, um damit die Größen richtig zuordnen zu können.

 

 

 

 


           

Abb. 2: Zusammenhang zwischen Bruttorauminhalt und Anzahl der Wohneinheiten

 

Die Angaben der folgenden Übersicht sind grobe Werte und dienen einer schnellen Ermittlung der benötigten Zeitdauern. Sie können aber nicht individuelle Eigenheiten eines jeden Gebäudes berücksichtigen. Zur Verwendung dieser Werte im unten beschriebenen EDV-Programm „Bauzeitenplaner“ wurden genaue Abgrenzungen getroffen. In der Praxis sind die Grenzen für die Verwendung bestimmter Zeitfenster allerdings nicht so klar zu ziehen. Deshalb muss an dieser Stelle auf den kritischen Gebrauch dieser Werte und der Ergebnisse hingewiesen werden!

Gewerk

Aufwandswert für gesamten Vorgang

Rohbauarbeiten

Bis 1.000 m³: 6 Wochen

Ab 1.000 m³: 6 Wochen + 1 Woche je 150 m³

Ab  1.500 m³: 1 Woche je 250 m³

Holzbau

Bis 4.000 m³: 2 Wochen

Ab 4.000 m³: 3 Wochen

Klempnerarbeiten

1 Woche

Dachdeckungsarbeiten

1 Woche

Verglasungsarbeiten (Fenster, Haustüre)

Fenster: bis 3.000 m³: 1 Woche

               Ab 3.000 m³: 2 Wochen

Haustüre: 1 Woche

Heizungsarbeiten

Grobinstallation: 600 m³ BRI / Woche

Feininstallation: 1.200 m³ BRI / Woche

Ab 3.000 m³ BRI:

Grobinstallation: 1.000 m³ BRI / Woche

Feininstallation: 2.000 m³ BRI / Woche

Sanitärarbeiten

Grobinstallation: 600 m³ BRI / Woche

Feininstallation: 1.200 m³ BRI / Woche

Ab 3.000 m³ BRI:

Grobinstallation: 1.000 m³ BRI / Woche

Feininstallation: 2.000 m³ BRI / Woche

Elektroarbeiten

Grobinstallation: 600 m³ BRI / Woche

Feininstallation: 600 m³ BRI / Woche

Ab 3.000 m³ BRI:

Grobinstallation: 1.000 m³ BRI / Woche

Feininstallation: 1.000 m³ BRI / Woche

Putz- und Stuckarbeiten

Innen: bis 2.500 m³: 2 Wochen

           Ab 2.500 m³: 3 Wochen

Außen: bis 2.500 m³: 4 Wochen

             Ab 2.500 m³: 6 Wochen

Estricharbeiten

Bis 2.500 m³: 1 Woche

Ab 2.500 m³: 2 Wochen

Fliesen- und Plattenarbeiten

Bis 2.500 m³: 3 Wochen

Ab 2.500 m³: 5 Wochen

Oder genauere Berechnung!

Malerarbeiten

Bis 2.000 m³: 3 Wochen

Von 2.000 bis 3.000 m³: 4 Wochen

Ab 3.000 m³: 5 Wochen

Tischlerarbeiten

Bis 2.000 m³: 1 Woche

Von 2.000 bis 3.000 m³: 2 Wochen

Ab 3.000 m³: 3 Wochen

Bodenbelagarbeiten

Bis 1.200 m³: 1 Woche

Ab 1.200 m³: 2 Wochen

Landschaftsbauarbeiten

2 Wochen

 

Tabelle 8: Übersicht über die ermittelten Kennwerte

 

Umsetzung in die EDV – Anwendung „Bauzeitenplaner“

Basis der Umsetzung

Das oben „theoretisch“ definierte System zur Bestimmung eines Bauzeitenplans anhand einfacher Kennzahlen baut als EDV – Anwendung auf dem Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel auf und nutzt dessen Möglichkeiten in Zusammenarbeit mit zahlreichen Ergänzungen und Anpassungen. Es soll lediglich die Eingabe der Gewerke sowie des Bruttorauminhalts nötig sein um daraus den Ablaufplan zu ermitteln. Die grafische Ausgabe als Balkenplan erfolgt daraufhin im Projektplanungsprogramm Microsoft Project.

 

 

Allgemeine Programmführung

Beim Öffnen des Programms erscheint ein Titelblatt mit allgemeinen Informationen zum Projekt. Wichtig ist das Blatt Eingabe. Des Weiteren gibt es noch ein Tabellenblatt, welches die vorgegebenen Standardabläufe enthält, und ein Übergabeblatt für Microsoft Project.

 


 


Abb. 3: Eingabeblatt

 

Nach dem Start des Programms und dem kurzen Einblenden der allgemeinen Informationen, wechselt das Programm nach einem Mausklick auf das Bild in die nächste Tabelle, das Eingabeblatt. Dort befindet sich eine Tabelle, in der die einzelnen Vorgänge samt ihren Daten aufgelistet sind. Diese Daten sind:

 

·         Der Titel des Vorgangs, z.B. Estricharbeiten

·         Der Name des Auftragnehmers, er kann vom Benutzer eingeben werden

·         Der Beginn des Vorgangs (Anfangsdatum)

·         Das Ende des Vorgangs (Enddatum)

·         Die Dauer eines Vorgangs, in vollen Wochen

·         Die Abhängigkeit eines Vorgangs zu seinen Vorgängern, mit den aus der Netzplantechnik bekannten Anordnungsbeziehungen

·         Der Kennwert, über den die Dauer des Vorgangs errechnet wurde. Wenn dieses Feld angeklickt wird, erscheint die Formel im Bearbeitungsfeld von Excel.

 

Rechts auf dem Eingabeblatt befinden sich noch weitere zur Bearbeitung eines Projekts erforderlichen Funktionen.

 

Vorgehensweise

Zu Beginn einer  neuen Bearbeitung wird über den Schaltknopf „Neues Projekt“ ein Abfragefenster geöffnet. Für die weitere Berechnung relevant sind dabei das Datum des Baubeginns und der Bruttorauminhalt des Gebäudes. Nach dem Bestätigen wird ein neues Arbeitsblatt geöffnet, in welchem oben bereits ein Teil der Daten angegeben ist.

 

Daraufhin erfolgt die Auswahl der Vorgänge im Tabellenblatt „Standardabläufe“. Dort sind verschiedene Abläufe hinterlegt, wie z.B. zusätzliche Fußbodenheizung. Sie werden komplett per Mausklick ausgewählt und in die erste Zeile des Blattes „Eingabe“ einkopiert (Am einfachsten direkt in die Zelle B6). Hierbei dürfen aus den einzelnen Ablaufschemata keine Vorgänge gelöscht oder hinzugefügt werden. Anstatt des Löschens kann später die Dauer auf 0 gestellt werden. Um Vorgänge hinzuzufügen kann der Vorgang „Sonstige“ benutzt werden. Dieser kann umbenannt werden, des Weiteren können ihm beliebige Daten sowie Dauern zugewiesen werden.


 

 

 


Abb. 4: Eingabedialog für ein neues Projekt

 

 


 


Abb. 5: Auswählen eines Standardablaufs

 

Nachdem der ausgewählte Ablauf in das Eingabeblatt einkopiert wurde, kann man über die Funktion „Berechnen“ den zeitlichen Ablauf bestimmen. Hierbei erfolgt die Berechnung nach den vorgenannten Abhängigkeiten und Aufwandswerten. Die Formeln, nach denen die Berechnung erfolgt, finden sich im Quellcode unter Namen wie beispielsweise „Holzbauformel“ oder „Fliesenformel“. VBA – Kenntnisse vorausgesetzt, kann der erfahrene Benutzer hier selbstverständlich auch Änderungen vornehmen. Im Normalfall sollte man dieses Vorgehen jedoch vermeiden.

 

Es besteht dennoch die Möglichkeiten, Änderungen an dem Vorschlag für den konkreten Bauzeitenplan vorzunehmen. Es können der Anfangs- und Endtermin sowie die Dauer eines Vorgangs geändert werden. Auf dieses Weise kann man Besonderheiten des vorliegenden Bauvorhabens berücksichtigen, beispielsweise durch die Verlängerung der Tischlerarbeiten bei zusätzlicher Montage von Holzdecken. Es ist aber zu beachten, dass ein Vorziehen der Termine nicht möglich ist, da die Berechnung schon die kürzest mögliche Bauzeit vorgibt. Über die Änderung der Dauer kann der Endtermin früher festgelegt werden. Sollten mehrere Änderung vorgenommen werden, so sollte in der Liste von oben nach unten vorgegangen werden, da sonst möglicherweise einzelne Änderungen wieder überschrieben werden. Zur Bestätigung einer Änderung ist der Schaltknopf „Aktualisieren“ nach jeder Änderung zu drücken.

 

Um später ein übersichtlicheres Bild zu erhalten, kann man die Vorgänge über die Funktion „Sortieren“ nach ihrem Anfangstermin sortieren lassen.

 

Somit ist der Bauzeitenplan in Listenform fertiggestellt und kann in einem weiteren Schritt grafisch ausgegeben werden.

 

 


 


Abb. 6: Aktualisierung (hier z. B. Verlängerung der Innenputzarbeiten)

 

 

 

 

Grafische Ausgabe

Da die Darstellungsmöglichkeiten innerhalb von Excel relativ beschränkt sind, findet die grafische Ausgabe auf dem Projektplanungsprogramm MS Project statt. Die Daten des Bauzeitenplaners werden hierbei in ein Format konvertiert, dass MS Project importieren kann. Diese Daten findet man im Blatt „Übergabetabelle“. Sie sollten nur im Ausnahmefall vom erfahrenen Anwender verändert werden.

 

Der Anwender muss jedoch MS Project nicht separat starten. Die Funktion „Planausgabe“ übernimmt diese Aufgabe, wie auch den Import der Daten vom Bauzeitenplaner. Auf diese Weise erhält der Nutzer direkt einen fertig erstellten Balkenplan.

 

Der Ablauf wird in MS Project als Balkenplan samt Verknüpfungen dargestellt. Sollte die Darstellung unübersichtlich sein und beispielsweise nicht den hier gezeigten Abbildungen entsprechen, liegt das meist an den vorgegebenen Einstellungen, welche in MS Project jedoch geändert werden können. Dies betrifft vorwiegend die Zeitskala und ihre Größeneinteilung.

 

Hier enden  die Möglichkeiten des Bauzeitenplaners. MS Project bietet aber noch umfangreiche weitere Funktionen, so dass der weiteren Verarbeitung keine Grenzen gesetzt sind. Die Daten sind deshalb bewusst nicht schreibgeschützt und können beliebig verändert werden.

 


 


Abb. 7: Ausgabe des fertigen Balkenplans in MS Project

 


Zusammenfassung

Es zeigt sich, dass mit Hilfe des entwickelten Werkzeugs sehr schnell ein zutreffender Bauablaufplan für Wohngebäude bis ungefähr 10 Wohneinheiten erstellt werden kann. Besonders vorteilhaft ist dabei der geringe Informationsbedarf und die hohe Flexibilität. Auf diese Weise erhält der Bearbeiter zu einem frühen Zeitpunkt einen aussagekräftigen Überblick. Durchgeführte Beispiele zeigen, dass dadurch potentielle Probleme wie Frostperioden oder sich überschneidende Gewerke leicht erkannt werden. Des Weiteren ist die Einteilung in einen gleichmäßigen Bauablauf möglich, falls das Gebäude nicht zum frühestmöglichen Zeitpunkt fertigzustellen ist.

 

Das Programm bietet zur Auswahl vier standardisierte Abläufe an. Da diese jedoch nur im Ausnahmefall exakt auf das konkrete Bauvorhaben zutreffen, kann der Planer die individuellen Randbedingungen einarbeiten. Damit ist eine gute Anpassung an die tatsächlichen Gegebenheiten möglich.

 

 

 Literaturverzeichnis

 

Bauer, S.                       (2000), Elektroarbeiten für Generalunternehmen, Diplomarbeit Nr. 575 am Institut für Baubetriebslehre, Universität Stuttgart, 2000

 

Brüssel, W.                   (1998), Baubetrieb von A – Z, 3.Auflage, Düsseldorf: Werner Verlag, 1998

 

Drees, G., Paul, W.       (2002), Kalkulation von Baupreisen, 7.Auflage, Berlin, Bauwerkverlag, 2002

 

Greiner, P., Mayer, P.,  (2000), Baubetriebslehre - Projektmanagement, Braunschweig,

Stark, K.                        Wiesbaden: Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft, 2000

 

Philipps, G.                   (2001), Beweissicherung – Potenzielle Probleme der Rohbau-Phase, Handout zu Vortrag vom 12.2.2001 am Institut für Baubetriebslehre, Universität Stuttgart

 

Scheer, R.                    (1996), Terminplanung und –steuerung bei der Modernisierung von Kaufhäusern, Diplomarbeit am Institut für Baubetriebslehre, Universität Stuttgart, 1996

 

Steinbrenner, M.           (1999), Sanitärarbeiten in der Bauausführung, Diplomarbeit Nr. 555 am Institut für Baubetriebslehre, Universität Stuttgart, 1999

 

Teutsch, B.                   (1999), Das Gewerk Heizung in der Bauausführung, Diplomarbeit Nr. 545 am Institut für Baubetriebslehre, Universität Stuttgart, 1999



[1] Philipps (2001), Blatt 3

[2] Teutsch (1999), S. 69

[3] Steinbrenner (1999), S. 69

 

[4] Bauer (2000), S. 115 ff.

[5] VOB / A, § 11 Nr. 2 (2)

[6] Brüssel (1998)

[7] Scheer (1996), S. 48

[8] Drees/Paul (2002), S. 37

[9] nach Greiner u.a. (2000), S. 153

  Wert für Rohbau nach eigenen Ermittlungen bei Einfamilien- und Doppelhäusern